Der integrierte „One-Health“-Ansatz
Was bedeutet der One-Health-Ansatz?
Der One-Health-Ansatz beruht auf einer einfachen Erkenntnis: Die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt ist eng miteinander verbunden. Viele Gesundheitsrisiken entstehen genau an den Schnittstellen dieser drei Bereiche und lassen sich weder richtig verstehen noch wirksam bewältigen, wenn man sie getrennt voneinander betrachtet.
International wurde dieser Ansatz von Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) übernommen. Dieses Konzept fordert eine engere Zusammenarbeit zwischen Disziplinen und Institutionen, um Gesundheitsbedrohungen frühzeitig zu erkennen und die Gesundheit der Bevölkerung besser zu schützen.
Warum Human-, Tier- und Umweltgesundheit verknüpfen ?
Viele Infektionskrankheiten werden zwischen Tieren und Menschen übertragen oder stark von Umweltfaktoren beeinflusst – etwa von der Wasserqualität, dem Klima oder dem Vorkommen von Überträgern wie Zecken und Mücken.
Wenn Daten aus der Human-, Tier- und Umweltgesundheit zusammengeführt werden, lassen sich Warnsignale erkennen, die innerhalb eines einzelnen Sektors unsichtbar bleiben würden. Durch den gleichzeitigen Blick auf diese Informationen wird besser verständlich, wie sich Krankheiten ausbreiten, wie neue Risiken entstehen und wie Prävention und Reaktion sektorenübergreifend koordiniert werden können, anstatt erst zu reagieren, wenn bereits menschliche Krankheitsfälle aufgetreten sind.
One-Health-Überwachung in Luxemburg
In Luxemburg beruht die One-Health-Überwachung auf einem Bündel sich ergänzender Systeme. Diese werden von verschiedenen spezialisierten Behörden und Institutionen im Einklang mit europäischen und nationalen Rechtsrahmen entwickelt und betrieben.
Überwachung der Lebensmittelsicherheit
Die Überwachung der Lebensmittelsicherheit wird hauptsächlich von der Luxemburger Veterinär- und Lebensmittelverwaltung (ALVA) wahrgenommen, die 2022 geschaffen wurde. Sie erfolgt im Rahmen der amtlichen Kontrollen, die durch europäische Rechtsvorschriften vorgeschrieben sind, und umfasst mikrobiologische Erreger, chemische und biologische Kontaminanten sowie Materialien mit Lebensmittelkontakt.
Diese Tätigkeiten stützen sich auf Kontrollen entlang der gesamten Lebensmittelkette – von der Primärproduktion bis zum Vertrieb – sowie auf Analysen des Nationalen Gesundheitslabors (LNS), das wissenschaftliche Expertise bereitstellt und für mehrere zoonotische Erreger als nationales Referenzlabor fungiert.
Die Lebensmittelüberwachung ist zudem in europäische Warn- und Informationssysteme eingebunden, insbesondere in das RASFF (Rapid Alert System for Food and Feed) sowie in die Meldungen an die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit). Dadurch wird ein rasches Management von Warnmeldungen und eine enge Koordinierung auf EU-Ebene ermöglicht.
Veterinärüberwachung zoonotischer Krankheiten
Die Überwachung zoonotischer Krankheiten bei Tieren liegt in der Verantwortung von der Luxemburger Veterinär- und Lebensmittelverwaltung (ALVA), genauer gesagt des Staatlichen Labors für Veterinärmedizin (LMVE). Ziel ist es, von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten zu erkennen und zu überwachen, im Einklang mit europäischen und internationalen Verpflichtungen. Diese Überwachung stützt sich auf amtliche veterinärmedizinische Kontrollen, Überwachungsprogramme und der Meldepflicht von Tierkrankheiten, die durch europäische Gesetzgebung definiert sind. Bestätigungs- und Typisierungsanalysen erfolgen in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Gesundheitslabor (LNS) und europäischen Referenzlaboren.
Die erhobenen Daten fließen in die Meldesysteme der EFSA ein und tragen so zu einer integrierten Sicht auf zoonotische Risiken auf europäischer Ebene bei.
Umweltbezogene Überwachung
Die umweltbezogene Überwachung hat zum Ziel, besser zu verstehen, wie Umweltfaktoren die menschliche Gesundheit beeinflussen, und neu entstehende umweltbedingte Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen. Sie umfasst insbesondere die Luft- und Wasserqualität, das Vorkommen von Krankheitserregern im Abwasser, Pollen, Cyanobakterien und die Überwachung vonVektoren wie Mücken.
Diese Aktivitäten werden zwischen mehreren Akteuren koordiniert, darunter die Gesundheitsdirektion, die Wasserwirtschaftsverwaltung (AGE), die Umweltverwaltung, das Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST) und das Nationale Gesundheitslabor (LNS). Sie stützen sich auf Überwachungssysteme, spezialisierte Datenbanken und öffentliche Informationsplattformen.
Entwicklung einer nationalen Austauschplattform
Im Rahmen von PHRESH entwickelt Luxemburg eine nationale Austauschplattform, um die Koordination zwischen den an Überwachung und Gesundheitsrisikomanagement beteiligten Akteuren zu stärken. Derzeit zirkulieren Informationen über Ereignisse mit möglicher Bedeutung für die öffentliche Gesundheit häufig über mehrere, heterogene Kanäle. Das kann den Austausch verlangsamen und sektorübergreifende Analysen erschweren.
Die Plattform wird einen sicheren digitalen Raum bieten, in dem Gesundheitsbehörden, Veterinärdienste, Labore und weitere relevante Partner Informationen, Warnmeldungen und Analysen strukturiert und zielgerichtet austauschen können – entsprechend ihren jeweiligen Rollen und Zuständigkeiten. Inspiriert von bestehenden europäischen Plattformen soll diese Infrastruktur die intersektorale Kommunikation erleichtern, die koordinierte Beobachtung von Gesundheitsereignissen unterstützen und Reaktionen besser aufeinander abstimmen, eingebettet in das nationale und europäische Überwachungssystem.
Sensibilisierung von Ärztinnen und Ärzten
Ärztinnen und Ärzte spielen eine Schlüsselrolle an der Schnittstelle zwischen Patientinnen und Patienten, dem Gesundheitssystem und der öffentlichen Gesundheitsüberwachung. Ihre Fähigkeit, bestimmte klinische Fälle zu erkennen, zu melden und richtig einzuordnen, ist entscheidend für die frühzeitige Erkennung von Gesundheitsbedrohungen – insbesondere dann, wenn Umwelt-, Lebensmittel- oder Tierfaktoren eine Rolle spielen können. PHRESH legt daher großen Wert auf Sensibilisierung und Fortbildung von Ärztinnen und Ärzten, um ihr Verständnis für integrierte Überwachung zu stärken und ihre aktive Mitwirkung im System zu fördern.
Zecken-Warnnetzwerk
Ein Sentinel-Netzwerk von Ärztinnen und Ärzten wurde eingerichtet, um die Überwachung zeckenübertragener Krankheiten zu stärken und damit verbundene Risiken frühzeitig zu erkennen. Die teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte spielen eine zentrale Rolle, indem sie Zeckenstiche und Symptome erkennen, die auf Erkrankungen wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) hindeuten. Sie melden Verdachtsfälle und füllen über einen digitalen Fragebogen, der über einen Link oder QR-Code zugänglich ist, detaillierte Angaben zu jedem Fall aus (Symptome, Diagnose, Behandlung).
Die Ärztinnen und Ärzte werden zudem ermutigt, ihre Patientinnen und Patienten über Präventionsmaßnahmen zu informieren und ihnen einen Flyer sowie einen QR-Code zu geben, über den sie einen zusätzlichen Fragebogen ausfüllen können.
Die von Ärztinnen, Ärzten und Patientinnen und Patienten erhobenen Daten werden von der Inspektionsabteilung Gesundheit der luxemburgischen Gesundheitsdirektion zentralisiert und ausgewertet, um epidemiologische Trends und Risikogebiete zu identifizieren. Diese Informationen fließen in Sensibilisierungsmaßnahmen für die Öffentlichkeit und Fachkreise ein sowie in den regelmäßigen Austausch mit den zuständigen Institutionen und Partnern, insbesondere aus der Human-, Tier- und Umweltgesundheit. Die Ergebnisse werden am Ende der Saison innerhalb des Netzwerks gemeinsam besprochen
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